Castelbuono

Castelbuono

Mitten im Bergland der Madonien liegt das Städtchen Castelbuono, das mit seiner an den Hügel geklammerten Burg wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit anmutet. Castelbuono ist umgeben von üppiger Vegetation; die umliegenden, sehr schönen Wälder aus Eichen, Kastanien, Kirschbäumen und vor allem Eschen bilden einen perfekten Rahmen für die kleine Ortschaft. Aus den Eschen wird übrigens das „Manna“ gewonnen, das süßliche Baumharz, das aus Einschnitten in der Rinde der Bäume austritt und sich an der Sonne verfestigt; es wird in der Pharmakologie und auch in der örtlichen Patisserie verwendet. Zusammen mit dem nahen Pollina ist Castelbuono eine der ganz wenigen Ortschaften auf der Welt, wo das aus der Esche stammende „Manna“ gewonnen wird und wo daher auch noch ein sehr altes Gewerbe betrieben wird, nämlich das des Eschenbauern. Die Ursprünge Castelbuonos gehen auf die byzantinische Ortschaft Ypsigro („kühler Ort“) zurück, die sich ganz in der Nähe des heutigen Dorfes erhob. Ab dem 14. Jh. ist die Geschichte Castelbuonos untrennbar mit der der Grafschaft Geraci und der Familie Ventimiglia verbunden: Unter ihrer kulturell „aufgeklärten“ Herrschaft erfuhr der Ort im Laufe der Jahrhunderte ein stetiges Wachstum, sodass ihm im 16. Jh. der Status als “Hauptstadt des Staates Ventimiglia” zuerkannt wurde, der immerhin aus über „zwanzig Ländereien“ und „vielen Gütern“ bestand. Von all dem zeugt heute nur noch die Ventimiglia-Burg, die der Graf Francesco I. 1316 auf der Piazza Margherita errichten ließ, wo heute noch ein Brunnen aus dem 16. Jh. und die alte Mutterkirche Matrice Vecchia (Mitte des 14. Jh.) mit ihrem Renaissance-Portikus und dem mit farbiger Majolika verkleideten Campanile stehen. Von der Piazza geht die Via Sant’Anna ab, von der aus man über eine Passage (hier befindet sich ein sehr schönes Holzportal in gotischem Stil von 1316) die mächtige Burg erreicht, die auf der Spitze des Hügels am Ende zweier eindrucksvoller Treppenaufgänge thront. Obwohl leider stark beschädigt, zeigt die Burg doch noch die ganze Kompaktheit eines mittelalterlichen Bauwerks mit regelmäßigem Grundriss und quadratischen Ecktürmen. Die Innenräume sind natürlich der adligen Familie würdig, die hier lebte und präsentieren sich in einer langen Flucht eleganter, mit Stuckarbeiten der Brüder Serpotta ausgeschmückter Säle. Die Burg, vor Jahren Kulisse des Oscar-prämierten Films Cinema Paradiso von Giuseppe Tornatore, beherbergt heute das Städtische Museum mit seinen Abteilungen für Archäologie und Sakralkunst sowie der Pinakothek, wo auch Ausstellungen moderner Malerei stattfinden. In Castelbuono ist das Handwerk noch sehr lebendig; sehr bekannt und geschätzt sind vor allem die hiesigen Arbeiten in Schmiedeeisen und Holz, aber auch so typisch “weibliche“ Kunstfertigkeiten wie Stickerei, Spitzenklöppelei und Weberei. In der Gastronomie sind besonders die Süßigkeiten auch im Ausland sehr beliebt: das von Hand verzierte Ostergebäck, Manna-Panettoni, Mandelkekse und andere Leckereien, sowie das sehr schmackhafte, hausgebackene Brot. Auch einige Weingüter und Hersteller von Olivenöl haben sich mit ihren ausgezeichneten Produkten weltweit einen Namen gemacht. Das Fest zu Ehren der Schutzpatronin, der hl. Anna, am 27. Juli ist eine der Hauptattraktionen des Dorfes, und die “Arruccata di li Ventimiglia”, eine Veranstaltung in den Kostümen der Epoche, erweckt mit einem Umzug die wichtigsten Momente der Geschichte Castelbuonos wieder zum Leben.

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