Salemi

Salemi und das Königreich der beiden Sizilien

Salemi ist ein Städtchen im westlichen Teil Siziliens im Einzugsgebiet des Belice-Flusstals etwa 35 km östlich von Marsala. Nachdem es Schauplatz mehrerer kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Selinunt und Segesta gewesen war, wurde Salemi von den Römern erobert und als freie, d. h. nicht steuerpflichtige Stadt deklariert. In der Folge fiel Salemi an die Wandalen und die Westgoten und geriet sodann nacheinander unter arabische, normannische und staufische Herrschaft. 1860 proklamierte Garibaldi von der hiesigen Piazza aus die Diktatur des Reiches Beider Sizilien, die der Ausrufung des Königreiches Italien voranging. Durch das verheerende Erdbeben von 1968 wurde ein Teil des historischen Stadtkerns zerstört, und danach verlagerte sich der Schwerpunkt des städtischen Lebens auf das Gebiet unterhalb des Hügels. Die heutige Altstadt folgt in ihrer Anlage dem arabischen Muster und präsentiert sich mit zahlreichen gewundenen Gassen und Gässchen, die vor versteckten Innenhöfen enden, und mit zahlreichen besonders steilen Treppen. Damit hat der Stadtkern von Salemi durchaus seinen Reiz, auch wenn die Atmosphäre von den nach dem Erdbeben errichteten „modernen“ Bauten teilweise zerstört ist. Immerhin wurde die Piazza Alicia anlässlich eines internationalen Kongresses namens „Piazze d’Europa“ als eines von 60 Beispielen für gelungene Stadtplanung und -erneuerung in Europa aufgeführt. Mitten im Stadtzentrum erhebt sich die eindrucksvolle Burg Castello di Federico II : Hier sind im ehemaligen Jesuitenkolleg diverse Museen untergebracht: Archäologie, Risorgimento und Sakrale Kunst. Darüber hinaus hat Salemi auch ein „Mafia-Museum“, das viele Besucher aus aller Welt hierher lockt: Der Rundgang beginnt mit zehn „Wahlkabinen“, die die verschiedenen Aspekte des Themenkomplexes Mafia illustrieren (Mord und Einschüchterung, das Verhältnis zur Religion, die Kontrolle über allgemeine Güter wie Strom und Wasser… aber auch Themen wie Gefängnis, Familie, Politik, Medien und Gesundheitswesen). Ein Teil der Ausstellung ist dem unkontrollierten Bauwesen in Palermo gewidmet, ein anderer bietet einen Überblick über 150 Jahre Mafia-Geschichte. Dazu werden Zeitungsartikel aus der Zeit der großen Mordserien ebenso herangezogen wie Dokumentarfilme und Interviews mit einigen Exponenten der sizilianischen Mafia; ein Kuriosum stellt sicherlich die Ausstellung einiger Bilder dar, die der Mafioso Gaspare Mutolo im Namen des Bosses Luciano Liggio malte.