Der Dom von Monreale

Der Dom von Monreale, ein mystischer Ort zwischen Legende und Wirklichkeit

Monreale erlangte seine Bedeutung mit dem Aufstieg der Normannendynastie im 11. Jahrhundert: Hierher zogen sich die normannischen Herrscher zurück, um sich von den Mühen des Krieges und des Regierens über Sizilien zu erholen. Eines Nachts im Jahre 1171 erschien König Wilhelm, genannt „Der Gute“, im Traum die Muttergottes und enthüllte ihm den Ort, an dem sich ein großer Schatz befand, nämlich die Kriegsbeute seines Vaters, den Wilhelm zum Bau einer Marienkirche verwenden sollte. Ohne zu zögern erteilte der König den Auftrag zur Errichtung des Doms, des erzbischöflichen Palais‘ und des Kreuzgangs. Er ordnete den Umzug von 100 Mönchen aus Badia della Cava und ihres Abtes Teobaldo nach Monreale an; sie sollten der neuen Kirche vorstehen. Am 20. März 1176 kamen sie in Monreale an, und Teobaldo wurde mit dem Titel „Herr der Stadt“ ausgestattet. Am 5. Februar 1182 erhob Lucio III. auf die Bitte Wilhelms hin die Kirche von Monrale zur „Städtischen Kathedrale“. Dieses in der ganzen Welt bekannte Baudenkmal zeigt keinen einheitlichen Stil; vielmehr vereinigen sich hier verschiedene Vorlieben, die einerseits auf die Architektur Nordeuropas, andererseits auf die arabische Baukunst verweisen. Man denke nur an die beiden massiven, feierlichen Türme zu Seiten des (erst im 18. Jh. hinzugekommenen) Portikos am Haupteingang und an den schier grenzenlosen Innenraum mit seinen fantastischen, mit Gold unterlegten Mosaiken und seinem Grundriss eines lateinischen Kreuzes, dessen Schiffe durch Pfeiler abgeteilt sind, die ihrerseits eine rhythmische Abfolge von Spitzbögen stützen. Die ununterbrochenen Mosaikteppiche an den Wänden gehen auf die Zeit Wilhelms des Guten (gest. 1189) bzw. Tancredis (gest. 1194) zurück.

Eine der vielen, im Lauf der Jahrhunderte überlieferten Legenden über Palermo und seine Eroberer stellt eine Verbindung her zwischen dem Dom von Monreale und der Kathedrale in Palermo. Man erzählt sich, dass Wilhelm II., der im 12. Jahrhundert den Bau des Doms von Monreale überwachte, in Walter of the Mill einen erbitterten Gegner hatte, dem Erzbischof von Palermo und ehemaligen Lehrer Wilhelms, welcher zur selben Zeit die Kathedrale in Palermo bauen ließ. Wilhelm setzte alles daran, das Innere des Doms mit wundervollen Mosaiken zu schmücken, die Geschichten aus dem alten und neuen Testament illustrierten, während Walter ihn durch eine möglichst prunkvolle Fassade seiner Kathedrale zu überbieten suchte, zu deren Gestaltung er an der arabischen Architektur inspirierte Spitzbögen, mit Heiligenstatuen gekrönten Säulchen, Glockentürme, sowie reichlich Zwingen, Zinnen und Fialen anbringen ließ – während das Innere fast gesichtslos blieb. Die gegenseitige Missgunst war so groß, heißt es, dass beide am Herzinfarkt starben, kaum dass sie die Baupläne des jeweils anderen zu Gesicht bekommen hatten.

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