Polizzi Generosa

Polizzi Generosa

Die Ursprünge dieses im Madonien-Naturpark gelegenen mittelalterlichen Städtchens sind ebenso wie seine Entstehungszeit nicht gesichert; die Überreste einer Nekropole, die in jüngster Zeit gemachten Funde an Münzen und Terrakotta-Gegenständen lassen jedoch darauf schließen, dass die Stadt bereits ab der hellenistischen Zeit (3. Jh. v. Chr.) existierte. Der Name „Polizzi“ leitet sich angeblich von dem Wort polis her, weil der Historiker Diodorus Siculus den Ort als das „sizilianische Athen“ bezeichnete; einer anderen Interpretation zufolge geht er auf das antike Volk der Palizier zurück. Den bis heute überkommenen Beinamen Generosa („die Großzügige“) erhielt Polizzi im Jahre 1234 von dem Stauferkaiser Friedrich II., der damit die Fruchtbarkeit des Hinterlandes lobte. Bis auf wenige kurze Zeiträume war Polizzi freie königliche Stadt nach normannischem Vorbild, mit eigener Regierung und eigenen Gesetzen, die sich durch ihre Gerechtigkeit auszeichneten; auch war die Stadt ein beliebter Aufenthaltsort für Fürsten und Herrscher, darunter die Königinnen Elisabeth von Aragon und Bianca von Navarra (Vizekönigreich Sizilien) und Kaiser Karl V. Ihre Hochblüte erlebte sie allerdings während der Renaissance, als sie einen bedeutenden Verkehrsknotenpunkt an den beiden königlichen trazzere bildete, den wichtigsten Verbindungsstraßen zwischen Palermo, Messina und dem Gebiet von Licata. Entlang den beiden Armen des (damals noch schiffbaren) Flusses Imera, die von Polizzi beherrscht wurden und weiträumige, reich mit Getreide bestandenen Täler bewässerten, verlief die Via del Grano, die Getreidestraße, und Polizzi kontrollierte die hier fälligen Abgaben und Zölle. Zahlreiche Adelsfamilien lebten hier, und das sog. Maggiorasco-Gesetz, nach dem die jüngeren Söhne des Adels einer geistlichen Laufbahn zugeführt wurden, garantierte das Entstehen zahlreicher Kirchen und Klöster, wahre Schmuckstücke der Baukunst, die noch viele Meisterwerke beherbergen. Die Kirchen ebenso wie mehrere wunderschöne, von kleinen mittelalterlichen Häusern umgebene Adelspaläste verleihen der Stadt auf ihrem Burgberg den Reiz eines Ortes, an dem die Zeit nicht vergangen scheint, wo sich Szenen des volkstümlichen Lebens abspielen, wo die Landschaft noch fast unversehrt ist und der Blick ungehindert über die hohen Berge des Madoniengebirges und seine grünen Täler und dichten Wälder schweift. Heute hat Polizzi sein Gleichgewicht gefunden, zwischen einer leidlich guten Entwicklung, einer sorgfältigen Bewahrung der Traditionen und einem nachhaltigen Tourismus, die das Städtchen zu einem idealen Reiseziel für diejenigen machen, die auf der Suche nach Emotionen sind, wie man sie kaum mehr anderswo auf Sizilien finden wird. Polizzi blickt auf eine lange Geschichte zurück und ist stolz auf seine Traditionen; außerdem auch auf seine international berühmten Söhne wie Stefano Dolce (Dolce & Gabbana), Martin Scorsese und den Schauspieler Vincent Schiavelli, der seine letzten Jahre hier, in seinem Heimatort, vrebrachte. Bei einem Spaziergang durch die engen, steilen Gassen trifft man buchstäblich an jeder Ecke auf teil sehr einfache, teils durchaus pompöse Kirchen, reich geschmückte Adelsresidenzen, einfache alte Häuschen, Innenhöfe und bagli, Blumen- und Gemüsegärten, kleine Kunsthandwerk-Läden, Kneipen und Cafés, zwei Museen und mehrere gute Restaurants, in denen Gerichte aus der vielfältigen sizilianischen Küche angeboten werden. Polizzi beherbergt über 21 Kirchen, darunter die Mutterkirche, Santa Margherita, Santa Maria delle Grazie, Chiesa del Carmine, della Commenda, San Gandolfo, San Nicolò de Franchis, Santa Maria degli Schiavi und die alten Palazzi der Familien Caruso-Porcaro, Carpinello und Gagliardo, das Umwelt- und das Archäologische Museum, die Ruine des unter dem Normannenkönig Roger II. befestigten Kastells, den Turm Torre di Leo im byzantinischen Viertel und gli Archi, einen Ende des 15. Jh. errichteten Aquädukt. Berühmt ist auch die Produktion an Nüssen, die fast ein Jahrhundert lang eine beträchtliche Einkommensquelle für die hiesige Wirtschaft darstellten; heute allerdings sind die Baumbestände wegen der negativen Preisentwicklung für Nüsse und der veralteten Anbau- und Erntemethoden recht vernachlässigt. Immerhin findet noch jedes Jahr im August das Fest der Nüsse statt, ein typisches Volksfest mit Schaustellern, nachgebauten ländlichen Hütten aus Stein oder Stroh und natürlich Nüssen, die von bunten Umzugswagen herabgeworfen werden.

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