Gratteri

Gratteri, malerisches Dorf im Madonie Park

Gratteri ist ein pittoreskes Örtchen von etwa 1000 Einwohnern; es liegt auf 650 m Höhe inmitten eines ausgedehnten Waldes, der sich in der Bucht von Cefalù spiegelt und zu den Madonien gehört, das höchste Gebirgsmassiv Siziliens nach dem Ätna. Die früheste Ansiedlung geht auf das 9. Jh. zurück und ist arabischen Ursprungs. 1059 kamen dann die Normannen, die hier mehrere Abteien gründeten, darunter San Giorgio, von der noch das eine oder andere Schmuckelement im Stil des Doms von Cefalù sowie die Außenmauern der dreischiffigen Basilika zu sehen sind. Ab dem 15. Jh. stand Gratteri unter der Herrschaft der Adelsfamilie Ventimiglia, die den alten mittelalterlichen Ortskern um die Burg mit ihrer Festungsmauer herum erweiterten. Das Bergdorf Gratteri atmet noch die typische, authentische Atmosphäre des alten Sizilien: Hier, abseits der belebten Touristenorte, lassen sich der ruhige Alltag des Dorfes und seine alten Traditionen ebenso entdecken wie die ausgezeichnete lokale Küche in den Restaurants, wo Sie oft als die einzigen Gäste besonders verwöhnt werden. Gratteri hat heute ein guten Gleichgewicht zwischen der Bewahrung seiner Traditionen und der Öffnung für einen nachhaltigen Tourismus erreicht, und nicht zufällig haben Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (u. a. die Journalistin Lilli Gruber) in der Altstadt Häuser erworben, wo sie ihren Urlaub verbringen. Die Burg selbst existiert nicht mehr, aber das typisch mittelalterliche Aussehen des Ortes ist unverändert. Das Herz der Ortschaft bildet der Corso Umberto, an dem auch die Kathedrale San Michele Arcangelo liegt, die die Familie Ventimiglia hinter der Burg, vermutlich als Privatkapelle, erbauen ließ; eine der Glocken trägt das Datum 1390. In der Kirche selbst werden in einem wertvollen Silberschrein vier Dornen von der Dornenkrone Christi aufbewahrt, ein Schatz von unermesslichem religiösen Wert, der denn auch von den Dorfbewohnern entsprechend verehrt wird (das Stadtfest findet jeweils am 1. Sonntag im Mai statt). Die Dornen wurden von Graf Roger von Altavilla persönlich aus Jerusalem hierher gebracht, und 1648 ließ Baron Don Lorenzo Ventimiglia für die Reliquien einen prachtvollen Marmoraltar und einen robusten Schrein aus Eisen errichten. Zu Seiten dieses letzteren standen ursprünglich zwei Engel (heute leider nicht mehr vorhanden), von denen einer das Wappen von Gratteri hielt, auf dem eine aus einer Quelle trinkende Taube und der Schriftzug Tuere Nobile Gratterium zu sehen sind. Sowohl der Altar als auch der Schrein befinden sich derzeit in der „Kapelle der heiligen Dornen“ in der Mutterkirche. Bis vor wenigen Jahren stellten die Einwohner von Gratteri bei Naturkatastrophen wie starkem Schirokko und Trockenheit die Reliquien aus und beteten, dass der Herr die Geißel von ihnen nehmen möge. Zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung gehört die wunderschöne Höhle „Grattara“, nach der wahrscheinlich das Dorf benannt wurde. Sie liegt an der Flanke des Pizzo Pilo auf über 1000 m Höhe und bietet einen herrlichen Landschaftsblick. Sie ist zugänglich über einen gewundenen, aber recht bequemen Pfad, der durch einen dichten Pinienwald bis zu dem kleinen Felsmassiv lazzu di vuoi („Lager der Ochsen“) führt; es folgt ein kleines Stück ebenes Gelände bis zur Höhle. Ihr Mittelpunkt ist ein Krater aus Stein, der durch das stete Tropfen von Wasser zustande gekommen ist; zur Quelle selbst gelangt man über eine kleine natürliche Steintreppe. In diesem Gebiet stehen auch die wunderschönen und seltenen Nebrodi-Tannen abies nebrodiensis, eine endemische Pflanzenart, die noch aus der letzten Eiszeit mit ihren Vergletscherungen stammt. Die Höhle Grattara bildet einen wichtigen Teil der Geschichte und Tradition von Gratteri, war sie doch der Legende zufolge der Zufluchtsort der Hexe Befana (“a vecchia”), die in der Silvesternacht, in ein weißes Leintuch gehüllt, durch die Kamine in die Häuser kam und die Strümpfe der Kinder mit Geschenken füllte. Noch heute ist die Höhle am Jahresende Ziel eines nächtlichen Fackelzuges, der seinen Ausgang auf der Piazza im Dorf nimmt und damit endet, dass eine Puppe, die „die Alte“ repräsentiert, unter Gesang und Musik auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird. Eine weitere alte Tradition wird am 18. März begangen, am Vorabend desFestes zu Ehren des hl. Joseph. Wie in anderen Städten Siziliens zündet man auch in Gratteri noch die traditionellen Feuer („i vampi“) aus riesigen, am Straßenrand aufgeschichteten Holzstößen an, sobald der Heilige im Laufe der Prozession dort vorbei kommt; man nennt sie auch „luminarie“. Auf der heruntergebrannten Holzkohle werden sodann Artischocken und Wurst gegrillt und den Vorübergehenden angeboten.

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