Die wichtigsten archäologischen Stätten

Auf den Spuren der phönizischen, griechischen, römischen, arabischen, normannischen und spanischen Eroberer

Homer nannte es Trinachìe, und sicherlich erscheint Sizilien innerhalb der fantastievollen Geografie der Odyssee als der Ort, der unter all denjenigen, die der Held aus Ithaka ansteuerte, der Wirklichkeit am nächsten kommt. Bei ihrer Ankunft an der Ostküste Siziliens und nach all den durchstandenen Gefahren entdeckten die griechischen Kolonisten, jene Emigranten aus Mykene, Megara, Nicäa und Korinth, ein jungfräuliches und viel versprechendes Land. Sie fanden keine Ungeheuer, sondern gastfreundliche Eingeborene, Sikuler und Sikaner, die hier seit unvordenklichen Zeiten lebten. Sie fanden Städte wie Hybla auf dem Rand der Schlucht von Pantalica, und im Westen stießen sie auf die blühenden phönizischen Kolonien Mothya, Palermo und Solunto. Auf Sizilien schrieben die Griechen die erste große Geschichte der Insel. Sie entrissen die primitiven chthonischen Gottheiten dem Dunkel der Höhlen und versetzten sie in die gerade erbauten Sonnentempel, sie bauten große und mächtige Städte wie Megara Hyblaea, Leontinoi, Akrai, Syrakus, Gela, Taormina und Agrigent, Segesta und Selinunt am Afrikanischen Meer. Die Insel Sizilien, reich an Wäldern und Ackerland, an vielfältiger Fauna und Mineralen, wurde die ideale Kolonie der Römer, ihre Korn- und Holzkammer, ihr Lieferant für Tiere und Metalle. Hier bauten Latifundisten wie Proculo Populonio ihre prunkvollen Villen wie die von Piazza Armerina, sie machten die Insel zu einer Brücke zwischen Afrika und dem Okzident und sandten alle ihre Reichtümer nach Rom. Sie verlegten Straßen, erließen Gesetze, lehrten eine neue Sprache und neue Sitten – aber sie beuteten die Insel auch aus, wie z. B. der berüchtigte Verres. Beim Fall des Römischen Reiches brachen die Horden der Vandalen und Goten auf Sizilien ein, die das Werk der Zerstörung vollendeten. Die Insel wurde ein Zufluchtsort für die Exilierten, für die von den Langobarden davongejagten Mönche und Einsiedler und damit ein Land der Kirchen und Klöster, sowie ein Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen dem Patriarchen von Konstantinopel und dem Papst. Die Zermürbung des byzantinischen Reiches brachte den Einfall der arabischen Armeen, die die Insel mit einem heiligen Krieg überzogen und sie einnahmen. Die arabische Herrschaft bedeutete für Sizilien allerdings eine Wiedergeburt: Die neuen Kolonisten – Araber, Berber, Schwarzafrikaner und Spanier – brachten Landwirtschaft, Fischereiwesen, Handwerk, Handel und Künste zu neuer Blüte und verbreiteten ihre Sprache und Religion. Keinem der folgenden Eroberer, weder den Normannen, noch den Staufern, den Aragoniern oder den Kastiliern, gelang es, die tiefen Spuren auszulöschen, die die arabische Kultur auf der Insel hinterlassen hatte. Ein großes und dicht beschriebenes Palimpsest ist also Sizilien, ein Kreuzungspunkt von Rassen, Sprachen, Religionen, historischen und künstlerischen Reichtümern. Die Vielfalt und der Reiz seiner Baudenkmäler lockten auch die großen Reisenden des 17. und 18. Jh. auf die Insel; Goethe vor allem erfasste ihr Wesen und bemerkte: “Sizilien erinnert mich an Asien und Afrika; sich im Zentrum zu befinden, dort, wo alle Strahlen der Weltgeschichte zusammenlaufen, ist herrlich, ist ein bedeutend Ding”. Die sizilianischen Schriftsteller – Verga, Pirandello, Lampedusa, Sciascia – waren seit jeher besessen von der Entzifferung jenes existenziellen und historischen Rätsels, das ihr Land darstellt. Sizilien enthält soviel Schönheit, soviel Kunst; der Bogen spannt sich von der Antike bis zur Belle Epoque der Familie Florio, bis zu den Jugendstilbauten Basiles und Damiani Almeydas. Ein Erbe, das trotz der Entweihung durch die modernen Barbaren und ihre Beton- und Industrieungetüme nicht ausgelöscht werden kann.