Das archäologische Gebiet Segesta

Segesta, die Stadt der Elymer, Exilanten aus Troja

Das Gründungsdatum Segestas verliert sich im Dunkel der Zeit; aus Dokumenten geht jedoch hervor, dass die Stadt im 4. Jh. v. Chr. bewohnt war. Der griechische Historiker Thukydides berichtet, dass trojanische Flüchtlinge das Mittelmeer überquerten und bis nach Sizilien gelangten, wo sie Segesta und Erice gründeten und fortan unter dem Namen Elymer bekannt waren. Der Legende zufolge wurde Segesta von Acestes, dem Sohn der Trojanerin Egesta und des Flussgottes Crimysos gegründet; er war auch der erste König der Stadt. Von Anfang an lagen Segesta und Selinunt miteinander in Grenzstreitigkeiten; das erste Gefecht, aus dem Segesta siegreich hervorging, fand 580 v. Chr. statt. 415 v. Chr. bat Segesta Athen um Hilfe gegen das von Syrakus unterstützte Selinunt und lieferte so den Athenern den Vorwand für eine große Expedition nach Sizilien, in deren Verlauf sie Syrakus besetzten und eine vernichtende Niederlage erlitten. Die Kämpfe endeten 409 v. Chr., als Selinunt von den Karthagern belagert und schließlich zerstört wurde, welche auch diesmal von Segesta zu Hilfe gerufen worden waren. 307 v. Chr. wurden viele Einwohner Segestas von dem syrakusanischen Tyrannen Agathokles erbarmungslos getötet oder in die Sklaverei verkauft, da sie sich geweigert hatten, ihm die verlangte wirtschaftliche Hilfe zu leisten. Nach dieser grausamen Repression änderte Agathokles den Namen der Stadt in Diceopolis („die Gerechte“). 276 v. Chr. fiel die Stadt an die mächtige Armee des Pyrrhus, geriet aber nach Abzug des Potentaten aus Epirus wieder unter punischen Einfluss. Im ersten punischen Krieg, 260 v. Chr., verbündete sie sich mit Rom, das sich mit Segesta verbunden fühlte, da die beiden Städte der Tradition zufolge gemeinsame Ursprünge hatten (beide stammten von trojanischen Flüchtlingen ab). Rom verteidigte Segesta gegen den karthagischen Versuch der Rückeroberung und sprach ihm den Status einer freien Stadt (civitas libera ac immunis) zu. Im Jahre 104 v. Chr. war Segesta Ausgangspunkt der von Atenion angeführten Sklavenaufstände, die Rom 99 v. Chr. in einem Blutbad erstickte. Im 5. Jh. wurde Segesta durch die Vandalen zerstört und nicht in seinem früheren Umfang wieder aufgebaut. Was blieb, war eine kleine Ansiedlung, wo die Normannen nach der Vertreibung der Araber eine Burg errichteten, welche unter den Staufern erweitert und zum Mittelpunkt einer mittelalterlichen Ortschaft wurde. In der Folge dann geriet selbst der Name der Stadt so gut wie in Vergessenheit, bis der Dominikaner und Historiker Tommaso Fazello (der diverse Städte des antiken Sizilien identifizierte) 1574 ihren Standort wieder lokalisierte.
Heute liegt im archäologischen Gebiet von Segesta der großartige Tempel, ein rein dorisches Bauwerk inmitten einer elymischen Stadt. Der vorherrschenden Hypothese zufolge wurde er wegen der fortwährenden Kriegshandlungen niemals fertig gestellt, da er weder Reste einer Cella noch einer Bedachung aufweist, desgleichen fehlen die Kannelüren an den Säulen. Auch dachte man, dass der Tempel vielleicht für bestimmte Riten der Eingeborenen genutzt wurde, oder dass Cella und Dach aus Holz bestanden hätten. Kürzlich wurden im Erdboden innerhalb des Tempelgevierts tatsächlich Spuren einer Cella sowie Überreste eines noch früheren Bauwerks aufgefunden, was darauf hindeutet, dass der Tempel über einem bereits existierenden, also noch älteren Sakralbau errichtet wurde. Es handelt sich um einen Peripteros mit sechs nicht kannelierten Säulen an der Front- und vierzehn Säulen an der Längsseite (insgesamt also 36). Der Tempel wurde in den letzten 30 Jahren des 5. Jh. v. Chr. erbaut, und zwar außerhalb der Stadtmauern auf einem Hügel westlich der Stadt. Aufgrund seiner Machart und seines Erhaltungszustandes gilt er als einer der schönsten Tempel der Antike. Das Theater hingegen datiert aus der Mitte des 3. Jh. v. Chr. und befindet sich auf dem Kamm des dem Tempel gegenüber liegenden, etwa 440 m hohen Hügels. Sieben keilförmige, mit Travertin gepflasterte Treppenaufgänge unterteilen die Sitzreihen in Blöcke; die horizontale Unterteilung hingegen erlaubte es den Zuschauern, von einem Block zum anderen zu wandern. Der obere Teil des Theaters ist halb zerstört, und auch von der Bühne, die den Wissenschaftlern zufolge mit Säulen und Pfeilern geschmückt war, bleibt nur wenig. das Theater bot Platz für über 3.000 Personen. Im Theater von Segesta findet jedes Jahr im Sommer das Festival Le Dionisiache“ statt: Aufführungen von Stücken aus der griechischen Klassik, aber auch moderne Interpretationen, antike Dramen, Tanz und Oper, Operette und Musical. Organisator ist die Stadt Calatafimi-Segesta.

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